Korbach. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg plant eine großangelegte Modernisierung seiner Liegenschaften. Mit einer umfassenden Strategie sollen die kreiseigenen Gebäude, insbesondere Schulen und Verwaltungsstandorte, so umgebaut werden, dass sie möglichst klimaschonend betrieben werden. Ziel des Plans ist der Abschied von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas. Stattdessen sollen Erneuerbare Energien und intelligente Technik den Verbrauch senken. Die Strategie, die in der kommenden Kreistagssitzung am Freitag diskutiert werden soll, sieht bis zum Jahr 2036 Investitionen von rund 220 Millionen Euro vor. Bevor die Strategie umgesetzt wird, steht jedoch erst noch die politische Debatte und anschließend eine umfassende Wirtschaftlichkeitsanalyse bevor.
Landrat Jürgen van der Horst betont die Tragweite des Vorhabens: „Jeden Euro, den wir heute in die energetische Sanierung und in Erneuerbare Energien anlegen, ist eine Investition, die sich doppelt auszahlt. Wir reduzieren nicht nur unseren CO2-Fußabdruck, sondern senken auch langfristig unsere Betriebskosten. Gleichzeitig machen wir uns unabhängiger von schwankenden Marktentwicklungen und internationalen Rohstoffpreisen. Die vorgelegte Strategie zeigt einen klaren Weg auf, wie wir unsere Gebäude fit für das 21. Jahrhundert machen und gleichzeitig einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten.“
Umsetzungsstrategie Klimakonzept
Diese Einschätzung teilt auch Dr. Markus Pfuhl, Vorstandsvorsitzender des Vereins Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg e. V.: „Diese Strategie ist nicht nur klimapolitisch notwendig, sondern auch wirtschaftlich vorausschauend. Fossile Energien bleiben mit erheblichen Preis- und Kostenrisiken verbunden. Investitionen in energetische Sanierung, moderne Heizsysteme und erneuerbare Energien können deshalb die laufenden Energiekosten senken, die kommunalen Haushalte planbarer machen und ihre Abhängigkeit von Preisschwankungen reduzieren. Klimaschutz und wirtschaftliche Vernunft gehören zusammen.“
Heizen ohne Öl und Gas, Strom von der Sonne
Im Vordergrund der Strategie steht zunächst die Erneuerung der gesamten Anlagentechnik mit einem geplanten Volumen von rund 70 Millionen Euro. Ziel ist der Abschied von fossilen Energieträgern. Für eine klimafreundliche Wärmeversorgung sollen fast 150 veraltete Heizungsanlagen ausgetauscht und dann durch moderne Systeme wie Wärmepumpen, Pelletheizungen oder durch den Anschluss an Nahwärmenetze versorgt werden. Gleichzeitig wird der Landkreis zum eigenen Stromproduzenten: Durch die Installation von über 100 Solaranlagen auf den Dächern der Liegenschaften sollen zukünftig rund 80 Prozent des benötigten Stroms selbst und sauber erzeugt werden. Weitere Mittel sollen in die Steigerung der Effizienz fließen, etwa durch die Umrüstung auf sparsame Beleuchtungsmittel, den Einbau intelligenter Steuertechnik oder auch in eine bessere Dämmung der Gebäude.
Wirtschaftlichkeitsanalyse nach politischer Debatte
Bevor der Kreistag über die Freigabe von Geldern entscheidet, wird er in seiner Sitzung grundsätzlich über das Vorhaben beraten. Sollten die Abgeordneten sich dazu entschließen, die Strategie weiter zu verfolgen, wird die Kreisverwaltung vor der Umsetzung mit einer wichtigen Aufgabe betraut: Der Erstellung einer detaillierten Wirtschaftlichkeitsanalyse.
Hintergrund
In 2024 beschloss der Kreistag die Klimastrategie des Landkreises. Dieses Strategiepapier zeigt neun Handlungsfelder auf und hält diverse Ziele zu den einzelnen Feldern fest. Der Fokus auf Erneuerbare Energien und die energetische Sanierung der kreiseigenen Liegenschaften stammt aus dem Handlungsfeld „Treibhausgasneutrale Landkreisverwaltung“ und fällt unter das Ziel „Klimaneutrale Liegenschaften“. Insgesamt strebt das Klimakonzept die Klimaneutralität des Landkreises bis 2037 an.

